Sonnenbeobachtung

Sonnenfleck AR2192
Sonnenfleck AR2192

Hier mal meine Gedanken zum Thema Sonnenbeobachtung

Unser Zentralgestirn ist bestimmt ein Objekt, welches jeder, der sich für Astronomie interessiert, mal beobachten will. Leichter gesagt als getan, denn Mann und Frau muss da einiges beachten. Oder es wird sehr, sehr kurzes Vergnügen mit bleibenden Schäden.

Ohne geeignete Filter oder Spezialteleskope geht nichts! Kein Wenn oder Aber!

Bis jetzt habe ich selber nur in Weißlich beobachtet. Dies ist der kostengünstigste Einstieg in die Sonnenbeobachtung, aber meine Meinung nach auch der mit den größten Gefahren wenn man nicht aufpasst. Theoretisch kann man jedes Teleskop oder Fernglas nutzen. Praktisch gibt es aber Unterschiede.

Fangen wir mit den Filtern an.

Einschraubfilter

Vor langer Zeit gab es bei vielen Kaufhausteleskopen Sonnenfilter, die man ins Okular schraubte. Genauso wie z.B. einen Graufilter für die Mondbeobachtung. Liegt so ein Ding bei Euch rum? Falls ja: Sofort in den Mülleimer damit. Aber pronto! Warum? Ganz einfach. Gedacht waren diese „Filter“ für Refraktoren (Reflektoren müssen gesondert betrachtet werden). Das Sonnenlicht fällt vorne in die Optik und wird dann gebündelt. Dann kommt dieser sogenannte Filter und soll die Sonnenenergie auf ein ungefährliches Maß reduzieren. Also, ich bündel erst das Licht und lasse es dann durch Glas filtern. Dabei passiert aber auch, dass sich dieser Filter erwärmt! Und im schlimmsten Fall knallt es einmal kurz und bevor ihr das mitbekommen habt, ist schon das gebündelte Licht in eurem Auge und ihr dürfe höchst wahrscheinlich ab sofort mit einem blinden Auge durchs Leben gehen. Diese Filter können durchaus noch bei Teleskopen dabei sein, welche man auf dem Dachboden bei Oma und Opa findet. Habt ihr so ein Teleskop guckt bitte nach und entsorgt diese Mistfilter.

Sonnenfolie

Spezielle Sonnenfolie (z.B. von Baader) ist der günstigste Einstieg in die Sonnenbeobachtung. Ein DIN A4 Bogen kostet rund 25,-€. Die Handhabung dieser Folie ist eigentlich sehr einfach und mir sind auch keine Fälle bekannt wo durch Materialfehler Unfälle passiert sind. Aber garantieren kann ich dieses nicht. Ich selber benutze auch diese Folie und bein eigentlich sehr zufrieden. Die Folie wird VOR der Teleskopöffnung angebracht. An dieser Stelle ist es am optimalsten, da ich schon am Anfang die Energie reduziere. Und außerdem kann man diese Folie auch an Reflektoren nutzen. Wichtig ist, dass die Folie 100000% fest sitzt und nicht durch Wind oder sonstwie einen Abgang machen kann. AM sichersten ist es, wenn man sich einen Aufsatz bastelt wo die Folie rein kommt. Falls man das nicht will oder kann, gibt es auch bei diversen Astrohändlern fertige Aufsätze mit der Folie für die benötigte Größe der Öffnung. Bitte nicht mit Gummibändern die Folie befestigen. Gummi wird alt und wenn er reißt geht gleich die Folie weg und man hat ein riesiges Problem.

Mein 5" Mak und mein Refraktor jeweils mit der Baader Sonnenfolie
Mein 5″ Mak und mein Refraktor jeweils mit der Baader Sonnenfolie

Was man aber bei der Sonnenfolie beachten sollte ist, dass sie vor jeder Benutzung auf Beschädigungen geprüft wird. Ich mach das immer so, dass ich durch den Filter die Sonne ohne Teleskop ansehe. Sie sieht dann so aus, als wenn dicker Nebel wäre. Falls kleine Risse oder Löcher vorhanden sein sollten, würde das auffallen. Ist dem so bitte die Folie entsorgen und eine neue kaufen. Ich mache das jedenfalls so. Sicherheit geht mir vor, Ich teste auch vor jedem Blick durch das Teleskop, ob alles sitzt oder ob doch Löcher plötzlich da sind. Wo sollen die Löcher denn plötzlich herkommen, fragt ihr euch? Vögel z.B. Ihr geht weg vom Teleskop und macht was anderes. In der Zeit setzt sich mal ein Vogel rauf und findet das spiegelnde Ding an eurem Teleskop sehr interessant und pickt mal etwas rein 😉 Vielleicht eine übertrieben Vorsicht von mir, aber auf meinem Dobson mit Folie saß schon ein Vogel mal drauf und schaute neugierig. Lieber einmal zuviel als zuwenig.

Glasfilter

Im Prinzip gilt das gleiche wie bei der Sonnenfolie, nur sind diese Filter aus Glas. Vorteil ist, dass sie robuster sind. Preislich sind sie höher angesiedelt, aber noch bezahlbar. Nachteil bei ihnen ist die optische Qualität, wenn man nicht mehrere hundert Euro ausgeben will. Sie sind in der Herstellung einfach komplizierter und wenn die Abbildung dann 1A sein soll wird es teuer. Auch diese Filter können an Reflektoren  und Refraktoren eingesetzt werden.

Herschelkeil

Wohl das Beste für die Weißlichtbeobachtung. Er ist eigentlich eine Lichtfalle. Das Licht geht vor dem Okular in den Herschelkeil und landet in diesem in einer Lichtfalle. Dadurch gelang nur ein winziger Bruchteil zum Okular und ins Auge. Das Ergebnis ist ein wundervolles Bild. Einsetzen kann man den Herschelkeil aber nur an Refraktoren, da im Tubus weiterhin das volle Licht und die Energie ankommt. Bei Refelktoren (Newtons, Maksutovs, SCs usw.) würde das Teleskop Schaden nehmen, Das Licht wird bei diesen Teleskopen ja mehrfach gebündelt und bei einem Newton z.B. könnte durchaus der kleine Fangspiegel heiß werden und über den Jordan gehen. Preislich ist ein Herschekeil um die 450,- € angesiedelt.

UV-Filter

Den Filter sollten man bei allen Sonnenfilter zusätzlich nutzen um die schädliche UV-Strahlung zu filtern. Bei der Sonnenfolie soll er wohl nicht notwendig sein, aber beim Herschelkeil muss er sein. Kostenpunkt um die 50,- € Ich nehme ihn immer.

Vorsichtsmaßnahmen

sonnensucherWichtig ist schon wie oben erwähnt, dass alles fest sitzt und auch nicht defekt ist. Empfehlen würde ich auch vor jedem Blick in das Teleskop mal die Hand über das Okular zu halten. Falls was sein sollte, würde man es dann an der Hand in Form von Wärmeentwicklung merken, bzw einen hellen Lichtpunkt sehen. Der Sucher ist eine wirkliche Gefahrenquelle für Schussligkeitsfehler. Unbedingt diesen abbauen, abdecken oder auch mit Sonnenfilter versehen. Es kann passieren, das man im Trott durch ihn sieht, obwohl er nicht einen Filter hat. Aber einen Sucher zu haben ist auch ganz praktisch. Obwohl die Sonne sehr groß ist, kann es nervig werden sie ins Gesichtsfeld des Teleskopes zu bekommen. Da ich ein Fan von Rotpunktsuchern bin, habe ich mir da eine ganz einfache Lösung gebastelt. Ich habe mir eine Art Fenster aus den Resten der Baader-Folie gemacht und die platziere ich vor den Rotpunktsucher. Der Rote Punkt wird sichtbar auf der Folie und man hat ein wunderschönes Blickfeld um die Sonne zu suchen und wird dabei nicht geblendet. Aber bitte nur mit einen Rotpunktsucher nicht mit einem normalen Sucher! Das könnte sonst sehr gefährlich werden, wenn Licht durch was auch immer in den Sucher fällt. Einen normalen Sucher nur mit Filter nutzen, die fest an ihm angebracht sind. Meine Lösung kann man hier ganz gut auf dem Bild erkennen Es gibt auch spezielle Sonnensucher, aber die habe ich noch nie versucht.

Kinder sollten niemals unbeaufsichtigt die Sonne beobachten. Immer dabei sein. Ihr werdet sonst nicht mehr eures Lebens froh wenn was passiert ist.

H-Alpha

Eine andere Variante als Weisslicht ist die H-Alpha-Beobachtung. Hier hat man ein spezielles Teleskop oder spezielle Filter. Das schöne bei diesen Beobachtungen ist, dass man Die Sonne in einem Bereich beobachte, wo man die Flares sehen kann. Die Sonnenoberfläche wird zu einem Feuerball und es ist einfach nur genial. Genial ist auch der Preis ab den man Einsteigen kann. Bei rund 700,- € geht es los mit einem Coronado PST. Dieses ist ein spezielles Refraktroteleskop, welches nur auf H-Alpha ausgelegt ist. mit 40mm Öffnung  ist es eher kein Gerät für hohe Vergrößerungen. Will man dieses aber haben ist man ganz schnell bei 2.000,- € und mehr angelangt. Irgendwann kommt mal so eines in den Teleskoppark bei mir. Spendengelder nehme ich gerne entgegen 🙂

Fazit

Jeder kann, wenn er die Vorsichtsmaßnahmen korrekt beachtet, die Sonne beobachten ohne Unsummen zu investieren. Wenn man sich aber unsicher ist sollte man jemanden dabei haben der sich auskennt. Gerade Schusseligkeit kann böse Folgen haben und da ist es bestimmt gut, wenn jemand einen auf die Finger guckt. Alternativ kann man auch über die Sonnenprojektion nachdenken, das will ich auch mal versuchen. Oder man macht die Technik-Version und nutz die Planeten- oder Webcam und sieht sich das Bild auf dem Monitor an. Filterfolie ist aber auch da notwendig.

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