Geoptik Polar Box – Kühlung einer Canon EOS ohne Umbau

Diesen Sommer habe ich es gemerkt. Langzeitbelichtung und eine normale DSLR sind ein rauschiges Erlebnis. Nachts so bei 15-20 Grad wird der Chip schnell um die 25-28 Grad warm. Und wenns eine richtige warme Nacht ist gehts noch ein paar Grad nach oben und wir nähern uns den 40 Grad. Die Temperatur hatte ich echt schon gehabt. Jedenfalls ist der Immer wärmer als die Umgebungstemperatur. Und das nicht zuwenig. Wäre doch nicht schlecht dieses umzudrehen 🙂

Alternative wäre einen Gekühlte DSLR. Wenn man es drauf hat, wird die gesamte Kamera zerlegt und eine Peltierkühlung an den Chip gebracht. Das Ergebnis ist dann schon amtlich und kann mit einer gekühlten CCD verglichen werden. Fertig gibt es auch eine Lösung zu kaufen, die liegt aber bei rund € 1.800,-.

Edelste Variante ist eine gekühlte CCD. Die dann natürlich in mono und dazu mit einem Chip in vergleichbarer Größe der DSLR. Da werden es dann schnell über € 2.000.-. Farbfilter und Filterrad lasse ich jetzt mal außen vor.

Oder man macht eine günstige Variante ohne die gesamte Kamera zu zerpflücken. Man steckt sie in einen Kühlschrank. Geoptik hat sowas im Angebot. Nennt sich „Polar Box“. Die Kamera wird darin eingebaut, alles verschlossen und an der Box ist eine Peltierkühlung angebracht, welche die Luft in der Box runter kühlt. -25 Grad auf dem Chip wird man damit niemals schaffen, aber man kann zumindest dafür sorge, dass die Umgebung der Kamera kühler wird und dadurch auf das Rauschen des Chips einwirken. Viel findet man nicht im Netzt zu der Box. Sie führt wohl ein Nischendasein. Das wenige was ich aber gefunden habe, hat mich überzeugt es zumindest zu versuchen.

Hier mal wie die Sache aussieht.

polar 003
Die offene Box. Die Kamera wir einfach reingesteckt und dann mit einer Schraube fixiert. Links sieht man die Rückseite mit den Kühlrippen und dem Lüfter zur Verteilung der Kälte.
polar 002
Geschlossen ist die Box schon ein Brocken. Wiegen tut das gute Stück 1kg

Was bringt das Ding denn? Einiges. Das Wohnzimmer hatte 22,5 Grad und in der Box herrschten kühle 4,2 Grad

polar 001
Und das ist die, billige, Temperaturanzeige, aus dem Autozubehörkrabbeltisch. Man muss hier jetzt umdenken. Innen ist Außen und umgekehrt. Kühlergebnis nach rund 20 Minuten: 18,3 Grad Differenz.

Die niedrigste Innentemperatur, welche ich im Wohnzimmer erreichte, war 3,5 Grad. Schon mal nicht schlecht.

Wie sieht es denn in der Praxis aus? Machen wir mal ein extremes Szenario. Langzeitbelichtung im Wohnzimmer. Draußen ist Mistwetter und da gehe ich nicht raus 😛

Zum Testen mache ich folgendes: 4 x 15 Minuten ohne Kühlung und danach 4 x 15 Minuten mit Kühlung. Gewählt habe ich ISO 400, da dies wohl meine zukünftige Basis sein wird. Kamera war die modifizierte EOS 1000Da. Die 15 Minuten rühren daher, dass dies wohl die maximale Belichtungszeit ist, die ich nehmen werde. Das vielleicht doch mal 20 oder 25 Minuten für besondere Objekte genommen werden lasse ich mal unbeachtet. Die Polar Box wird dafür auch 20 Minuten vorab runtergekühlt. Als Vergleich nehme ich auch jeweils das letzte Bild der Serie.

Probebild mit Kurzzeit um die Temperatur des Chips zu wissen beim Start der Bilderserie. 23°C Ok. wie die Raumtemperatur

Hier die jeweiligen Chip-Temperatur der Bilder ohne Kühlung. Temperatur in der Box am Anfang 23°C und nach Ende der Serie 24,6°C, Raumtemepratur 23°C:

  • Bild 1: 26°C
  • Bild 2: 33°C
  • Bild 3: 34°C
  • Bild 4: 35°C (Temperatur in der Box 24,6°C. Logisch. Keine Abluft)

Man sieht, dass die Temperatur leicht steigt.  Ich vermute, dass bei 40° das Maximum wäre.

Etwas mehr als in den richtig warmen Sommernächten, aber um die 30°C sind da keine Seltenheit. Meist habe ich im Sommer so mit 25°C zu kämpfen. Aber es geht ja darum zu zeigen was die Polar Box leistet.

Die Polar Box wurde eingeschalten und bereits nach 10 Minuten war die Temperatur in der Box auf 11,5°C gesunken. Ich lasse die Box jetzt 30 Minuten kühlen. Dann nehme ich mal ein kurzes Einzelbild um die Starttemperatur vom Chip zu messen. Optimal wäre es, wenn diese sich im Bereich der Zimmertemperatur bewegen würde. Schon aufgefallen? Ich mache das gerade live beim Schreiben des Beitrages. Keine Ahnung was mich gleich erwartet. Keine Ahnung wie lange die Box braucht um den Chip auf Zimmertemperatur zu kühlen.

OK. Nach 17 Minuten hat die Box 8°C und der Chip 29°C. Da behindert jetzt das geschlossenen Gehäuse der Canon wohl die Kühlung. Also warten wir mal bis alles auf normal ist… Cool, im warsten Sinne des Wortes, wäre es, wenn die Kamera innerhalb von 30 Minuten durchgekühlt wäre. Das ist ungefähr die Zeit um Das Alligment durchzuführen, das Ziel anzufahren und PHD zu kalibrieren. Wenn man es ganz gemütlich macht. In der Zeit kann sie ja schon mal vorkühlen 😉

24 Minuten: Box 6,4°C und der Chip 27°C

Jetzt ist der Bereich wohl, wo es länger dauert die Temperatur runter zu bringen. 4°C sollten drin sein, da ich die ja heute schon in der Box hatte.

26 Minuten: Box 5,7°C und der Chip 26°C

Sieht doch gut aus. Schlecht ist jetzt, dass ich ja alles durch die andere Bildserie vorgewärmt hatte und dieses erstmal wieder runter kühlen muss. Ohne das könnte ich mir gut vorstellen, dass der Chip bei 20°C wäre

30 Minuten: Box 5,3 °C und der Chip 24 °C Ich geb dann mal noch 10 Minuten um ungefähr an die normalen Startbedingungen am Abend zu kommen.

OK 40 Minuten sind rum. Die Box hat 4,4°C und der Chip 22°C . Dann starten wir mal………

Und hier die Ergebnisse mit Kühlung. Raumtemperatur weiterhin 23°C und in der Box am Anfang 4,4°C (40 Minuten aktiv  abkühlen lassen bevor es losgeht) und am Ende der Serie 3,5°C:

  • Bild 1: 21°C  (Die Box hat jetzt 3,4 °C)
  • Bild 2: 21°C (Die Box hat jetzt 3,6 °C)
  • Bild 3: 18°C (Die Box hat weiterhin 3,6 °C)
  • Bild 4: 18°C (Die Box hat nun 3,4 °C)

Die Temperatur vom Chip scheint sich auf 18 °C eingepegelt zu haben und die Box hält auch stabil ihre Temperatur. Wie es natürlich nach 6 Stunden Dauerbetrieb aussieht kann ich jetzt nicht sagen. Ich habe jetzt nur 1 Stunde getestet.

Jetzt mein Versuch anhand der JPGs die Unterschiede darzustellen. Links das Bild ohne Kühlung und rechts mit. Wie schon geschrieben, wurde jeweils das letzte Bild der 4er-Serien genutzt. Das linke Bild wurde gespiegelt damit die jeweiligen Bereiche gegenüber liegen und man besser Vergleichen kann. Ein Trennlinie habe ich bewusst nicht gezogen. Nur unten eine kleine zur Orientierung. Die Bereiche des Bildes wurden jeweils absolut gleich gestretcht.

Polar Box test 1

 

 

Wichtig ist aber hier zu beachten, dass der Test ohne Kühlung in der Box ablief. Ich wollte nicht wieder alles auseinander reißen. Aber die Chiptemperaturen bewegten sich bei mir im richtig warmen Sommernächten wirklich auch bei um die 30 °C. Um die zwei Grad mehr, die in der Box herrschten als im Zimmer sollte hier nicht gestritten werden. Das Kühlprinzip scheint zu funktionieren. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Summenbild auch besser wird als ohne Kühlung. Sogar im Winter.

Aber bevor einer meckert. Hier der Vergleich mit dem ersten Bild der ungekühlten Serie und dem letzten der gekühlten Serie. Jaaaaa. Leicht anders gestretcht. Ich wusste die Werte jetzt nicht mehr vom vorherigen Bild. Hauptsache ist ja, dass beide Seiten (ungekühlt und gekühlt) gleich gestretcht wurden.

Polar Box test 2

Alles in allem würde ich der Polar Box eine Daseinsberechtigung aussprechen wollen. Der Feldtest fehlt natürlich noch. Problematisch könnte Feuchtigkeit im Gehäuse werden, aber dem versuche ich mir Silical-Kugel entgegenzuwirken. Sollte schon passen. Außerdem habe ich alles was auch nur Luft durchlassen könnte mit Isoband dicht gemacht. Die Öffnung für die Kamera vorne und der Kabeldurchlass sind da Kandidaten.

Negatives gibt es aber auch bei der Box. DIe Kabeldurchführung ist zwar nett, aber ich komme ohne Schrauben zu drehen nicht an die Kamera heran. Schade wenn man Akkus nutzt. Ich habe ja zum Glück ein Netzteil. Da man an die Kamera auch so nichtt rankommt, schalte ich sie immer ein indem ich das Netzteil einstecke. Der Schalter an der Kamera ist immer auf „ON“ bei mir deswegen. Kein Problem. Aber eines nervt mich etwas. Das Display der Kamera ist immer automatisch an, wenn ich sie so einschalte. Hmmmm. Das sind auch ein paar Grad, wenn auch nur wenige. Zum Ausschalten müsste ich immer das Gehäuse öffnen und dann wieder alles zu machen. Null Bock. Momentan jedenfalls.

Ein Problem könnte das Gewicht werden. Die Polar Box wiegt 1kg. mal sehen was mein Okularauszug am Newton sagt. Mit Komakorrektor und Canon sind das 2 kg…. Abwarten. Das „Problem“ war mir bewusst.

Was leider auch schlecht geregelt ist, ist die Möglichkeit des Objektivwechsels. Es passt vorne genau der T2-Adapter durch und schließt dann plan mit dem Gehäuse ab. Tjaaaaa. Teleobjektive werden da wohl ein Problem in der Box. Zu breit. Da müsste man dann basteln. Den T2-Adapter bekommt man ohne Entnahme aus dem Gehäuse nicht von der Canon ab. Aber damit kann ich leben.

Beim nächsten CS und falls die Okualrauszug keine Probleme macht (Verkippung) wird sie richtig getestet.

Ach ja. Das Thermometer was dabei ist, ist ja wohl eine Verarschung. Das billigste aus dem Autozubehörshop aus China. Jungs ey!!!! Das Teil kostet 200,-!!!! Könntet ihr da mal nicht was hübscheres ranpappen? Was, was auch von der Anzeige passt? So ne coole einfache Wetterstation wäre optimal. Luftfeuchtigkeit in der Box und Außerhalb. Na? Werde ich mir wohl dann machen.

Und es wäre kein Beinbruch was gegen die Feuchtigkeit beizulegen. Ich habe es so mit den Silical-Kugel-Tütchen geregelt, dass ich sie mit Klettband im Gehäuse fixiere. Dann fliegen die nicht rum.

 

P.S.

Falls das Wetter nicht mitmacht, werde ich die Tage mal die Box die ganze Nacht auf dem Balkon rödeln lassen. Interessant ist ja, wie sich die Chiptemperatur zur Außentemperatur verhält. Und anhand eines Dauerbetriebes sieht man ja auch, ob die Box die Temperatur halten kann.

Advertisements

4 Gedanken zu “Geoptik Polar Box – Kühlung einer Canon EOS ohne Umbau

  1. Von den Testbildern scheint das ja gut zu funktionieren…
    Wo findet man denn das Teil genau…hab schon überlegt so etwas mal selbst zu basteln…kostet 200 Eusen?

    1. Moin Kollege. Teleskop-Express und Astroshop haben das Teil im Programm. Ich wollte auch erst selber alles basteln, hab es aber dann sein lassen. War mir nicht so sicher nicht ob ich das dann alles so sauber und passgenau hinbekomme. Wenn du dir so ne Box selber baust wirst du bestimmt unter €50 sein. So kostet das Teil €197. realistisch würde ich tippen, das man den Chip so 8-10 Grad kühler bekommt als ohne Box

  2. Hallo
    finde den beitrag sehr interessant. Meine Frage: Kann man die Kühlung nicht direkt rückseits auf den Chip anbringen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s